Wie wichtig Entspannung als Ausgleich zu einem stressigen Alltag ist, zeigt die Tatsache, dass viele Menschen schon einmal unter dem Burnout-Syndrom gelitten haben. Was genau dieses Syndrom ist und wie es erst gar nicht dazu kommt, erzählt uns heute Susanne Strobach im Interview. Sie ist Lehrmediatorin, Universitätslektorin für Burnout-Prävention, Mediation, Buchautorin und Trainerin mit den Schwerpunkten Diversity-Management, mediative Kompetenzen, Kommunikation und Konfliktmanagement. Hier geht’s zum Interview mit der Expertin.
- Frau Strobach, wo liegt die Grenze zwischen “gestresst sein” und der Diagnose Bournout-Syndrom ?
Gestresst sein, hat noch nichts mit Burnout zu tun. Viele Menschen haben stressige Tagesabläufe und kommen nie in ein Burnout. Wichtig ist der Ausgleich. Kann ich nach einem oder mehreren stressigen Tagen abschalten? Wie beende ich einen stressigen Tag? Falle ich nur erschöpft ins Bett und denke ich noch beim Einschlafen an den nächsten, ebenso stressigen Tag oder kann ich am Ende eines Tages “herunter kommen”, zu mir kommen, den Tag positiv beenden. Habe ich Rituale, wie z.B. Meditation, Joggen, Yoga, Sauna, ein Vollba, ruhige Gespräche mit meinem Partner/meiner Partnerin bei einer Tasse Tee oder einem Glas Wein, eine halbe Stunde herumtollen und blödeln mit meinem Kind, in einem guten Buch versinken …. Weiß ich was mir Freude macht, kann ich genießen und kann ich mein Handy auch einmal ausschalten?
- Wie viele Menschen in Deutschland leiden ungefähr darunter?
Laut www.hilfe-bei-burnout.de leiden 10-15 Mio Menschen in Deutschland an BO, das deutsche Ärzteblatt vom 15.5.2009 spricht davon dass jeder 5. Deutsche unter gesundheitlichen Schäden in Folge von Stress und Burnout leidet. In Österreich ist die Rede von 500.000 Menschen und die Weltgesundheitsorganisation WHO geht davon aus dass bis 2020 stressbedingte Krankheiten wie Burnout die häufigsten Gründe für Arbeitsunfähigkeit sein werden.
Ganz klar muss betont werden, dass Burnout heute nicht mehr als das Problem eines einzelnen, psychisch nicht belastbaren Menschen gesehen werden kann, sondern die Rahmenbedingungen in Unternehmen ausschlaggebend sind, ob MitarbeiterInnen an Burnout erkranken oder nicht.
- Woran erkenne ich, dass ich Gefahr laufe ein Burnout zu haben, was sind die Symptome?
Die Symptome beginnen bei Nicht-Abschalten-Können, Energiemangel, Verlust von Kreativität über Verlust von Empathie, Widerwillen, Konflikte bis zu Schlafstörungen, Albträume, Tics, Atembeschwerden, Engegefühl in der Brust, beschleunigter Puls, erhöhter Blutdruck, Verdauungsstörungen, Schwäche des Immunsystems, Übelkeit, Magen-Darm-Geschwüre, veränderte Essgewohnheiten, vermehrter Konsum von Alkohol, Kaffee, Tabak, Drogen.
Burnout verläuft in Stufen, Herbert Freudenberger definiert die nachstehenden 12 so: Es beginnt meist mit einem überhöhten Einsatz aus dem Wunsch heraus sich zu beweisen, sehr oft finden wir das bei BerufsanfängerInnen, aber genauso bei Eltern, die ihr erstes Baby bekommen haben und alles richtig machen wollen. Die nächste Stufe ist die Vernachlässigung eigener Wünsche, Sozialkontakte werden zuerst eingeschränkt, dann ganz abgebrochen, man hat ja keine Zeit dafür. Sie vernachlässigen sich äußerlich, sie haben keine Zeit mehr für Friseur und Körperpflege. Auf erste Reaktionen des Körpers wird nicht mehr eingegangen, “krank sein ist nicht drin”, die Erkältung wird mit Medikamenten unterdrückt, das Nicht-Schlafen-Können mit Schlaftabletten und morgens mit Aufputschmitteln. Die nächste Phase ist die Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen. Sie wundern sich, warum die Erkältung seit Wochen nicht besser wird, an der Müdigkeit sind der falsche Polster und an den Kopfschmerzen ist das Wetter schuld. Das Nicht-Anerkennen ihrer Bedürfnisse äußert sich in Sätzen wie “Ich muss nur noch 2 Monate durchhalten, dann wird alles besser.” “Ich brauche keinen Urlaub” “Mit der Zeit spielt sich das schon ein.” In der nächsten Phase erfolgt das Umdeuten von Werten: die angenehmen Seiten ihres Lebens verschwinden völlig aus ihrem Blickwinkel. Die Angst die mühsam erkämpfte Position in der Firma oder das Ansehen im Freundeskreis zu verlieren nimmt eine Dimension ein, bei der es um Leben und Tod geht. Jeder, der etwas von ihnen will oder braucht, wird als Belastung erlebt. Viele äußern in dieser Phase den Satz “Ich kenne mich selbst nicht mehr.”
Es folgt die Verstärkte Verleugnung der aufgetretenen Probleme. Sie empfinden und fühlen nichts mehr bei an sich angenehmen Dingen, kleinen Freuden des Lebens. Sie verleugnen alles außerhalb ihres Zwanges und unbewusst wächst die Wut in ihnen, weil sie selbst in der Erfüllung der Wünsche aller anderen zu kurz gekommen sind. Intoleranz ist ein Hauptsyndrom in diesem Stadium. Aus der Tatsache, dass sie mit Rückzug oder Aggression reagieren, zieht sich auch ihr soziales Umfeld zurück. Sie sind nun glücklich – oder nicht? – in Phase 7, dem Rückzug angekommen. Ein Gefühl der der Hoffnungslosigkeit, macht sich breit. Sie sind nur mehr zynisch und sehen sich selbst “wie von außen” zu. Ihr Unterteilsvermögen nimmt ab, sie können nicht mehr unterscheiden wer es gut mit ihnen meint und wer nicht. Beobachtbare Verhaltensänderungen sind die Folge. Sie springen bei Unterhaltungen von einem Thema zum anderen, zünden eine Zigarette nach der anderen an, die jedoch alle im Aschenbecher verglühen, ihre Sprache wird aggressiver. Auf Stufe 9 eines Burnouts, der Depersonalisation (Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit) sind ihnen Logik und Verstand abhanden gekommen, ein typisches Symptom dafür ist die völlige Selbstverleugnung und Ablehnung des eigenen Körpers. Die anderen existieren für sie nicht mehr, sie selbst aber auch nicht. Es folgen Innere Leere, gekennzeichnet durch das Gefühl ausgelaugt zu sein, Panikattacken, Phobien, zB Platzangst, Angst vor das Haus zu gehen. Symptomatisch für die Vorletzte Phase ist die Depression, der Wunsch nach ständigem Schlaf, sie wollen nur noch weg aus dem Hier und Jetzt. Und in Phase 12, der völligen Burnout-Erschöpfung geht gar nichts mehr. Die geistige und körperliche Erschöpfung ist lebensbedrohlich!
Vielen Dank, Frau Strobach!
Mehr über Susanne Strobach gibt es hier.
Im zweiten Teil dieses Interviews geht es um Heilungsmöglichkeiten bei Burnout-Syndrom.


2 Kommentare
Ein sehr informatives Interview. Burn-Out wird in unserer Gesellschaft meiner Meinung nach immer noch viel zu oft unterschätzt. Dass auch sehr junge Leute wie Studenten oder teilweise sogar schon Schüler unter Burn-Out leiden, ist gefährlich und zeigt doch, wie wenig unsere Gesellschaft für diese Problematik sensibilisiert ist. Ich persönlich tu mir mit dem Abschalten auch relativ schwer. Ich nehme mir zwar bewusst jeden Tag Zeit für mich und tue etwas, was mir Freude bereitet, aber trotz diesen kleinen Auszeiten staut sich bei mir immer sehr viel Stress – ich brauche also einfach ein paar Mal im Jahr eine längere, komplette Auszeit. Mein Mann hat mir darum vor zwei Jahren zum ersten Mal ein Wellnesswochenende im Hotel Karwendel in Pertisau im Tirol geschenkt, damit ich den Alltag mal so richtig hinter mir lassen kann. Seitdem fahren wir regelmäßig an den Achensee, man ist nachher einfach so schön entspannt.
Ja, ein Urlaub ist manchmal unersetzlich! Tatsächlich wird psychischer Stress, der sich auch stark auf den Körper auswirkt, heutzutage immer wieder verharmlost. Um so wichtiger ist es, regelmäßig aktiven Stressabbau zu betreiben. Bewegung ist da der erste Ansatzpunkt, wenn natürlich geistige Betätigungen wie Lesen, Musizieren oder andere Hobbies genau so wichtig sind. Anregungen für Sport und Entspannung – auch wenn mal kein Urlaub drin ist – gibt es auf Fit im Alltag ja genug!
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Seekarspitze Seebergspitze – Karwendel – wandern…
Beide Gipfel erheben sich, durch einen langen Grat miteinander verbunden, westlich über dem Achensee und gehören zum Karwendel ……
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