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Keine Chance dem Burnout (2)
Susanne Strobach
Dass Sport und Entspannung für das gesamte Wohlbefinden unverzichtbar sind, ist jedem bewusst, der von Stress im Job und im Alltag geplagt ist. Manchmal nimmt die Belastung allerdings Überhand und es kommt zu Anzeichen des Burnout-Syndroms und zum Verlust jeglicher Lebensfreude. Im ersten Teil unseres Interviews mit der Burnout-Expertin Susanne Strobach haben wir erfahren, wie wir die Symptome von Burnout erkennen. Im abschließenden Teil des Gesprächs geht es darum, diesem vorzubeugen.
Ganz wichtig ist der Ausgleich, das Abschalten können. Mein Zugang geht daher ganz stark über die Prävention. Man/frau ist viel schneller in oben beschriebener Spirale als sie für möglich halten. Ein wichtiges Alarmsignal ist das Gefühl der Fremdbestimmtheit, dieses “alle wollen etwas von mir”. Wenn sie das kennen, ziehen sie gleich die Notbremse! Es gibt nur einen Menschen, dem es in erster Linie gut gehen muss, das sind SIE! Nur wenn es mir gut geht, wenn ich mich gesund und ausgeglichen fühle, kann ich empathisch für mein Umfeld, meine Kinder, meine/n Partner/in, meine KollegInnen sein.
Überlegen sie einmal ganz bewusst, WIE sie auftanken. Nichtstun bedeutet nicht automatisch Entspannung!! Das Wesen der Ent-Spannung ist die Konzentration auf etwas Angenehmes! Und für jeden ist etwas anderes angenehm und erholsam – in der Natur, beim Sport, beim Tratschen mit FreundInnen, beim Lernen einer neuen Sprache, beim Reisen, beim Lesen, beim, beim Malen, beim Reiten, beim Musikhören, bei einer Massage oder beim Tanzen. Gerade Frauen neigen zu einem selbstauferlegten Perfektionismus. Listen sie einmal eine Woche lang alle Tätigkeiten eines Tages auf, wirklich alle und schauen sie dann, wieviel Zeit für sie persönlich blieb. War wirklich alles nötig? Oder gibt es Dinge, die sie delegieren können? An die Kinder, an den Partner, vielleicht nimmt an einem Tag pro Woche eine andere Mama ihr Kind vom Kindergarten/Hort mit? Ich persönlich verwende z.B. immer noch einen “richtigen” Kalender aus Papier, keinen elektronischen, und ich habe für alle Bereiche eine eigene Farbe, für Termine, die mein Kind betreffen, für den Job, für freiberufliches, den Haushalt etc. und für MICH. So sehe ich auf einen Blick wenn ein Bereich zu lange überwiegt.
Können Sie “nein” sagen? Das lässt sich trainieren! Fragen sie sich, welche Rollen sie in ihrem Leben haben (Mutter/Vater, Sohn/Tochter, Kollege/in, Hausfrau/mann, Manager/in, ….) und listen Sie dann auf, wofür sie in jeder verantwortlich sind und wofür sie sich verantwortlich fühlen. Was bringen ihnen diese Rollen? Wollen sie alle behalten? Was kann passieren, wenn sie eine abgeben?
Sehr wichtig ist auch die innere Haltung, die sie einnehmen. Wie sehr belasten sie Misserfolge? Auch hier finden wir große Unterschiede zwischen Männern und Frauen: Frauen neigen viel eher zu schweren Depressionen, weil sie sich intensiv mit ihrem Fehler, ihrem Zustand beschäftigen. Während Männer eher die Ablenkung suchen, lassen sich Frauen viel mehr auf Misserfolge und damit verbundene unangenehme Gefühle ein.
Für erste Schritte in eine heilsamere Richtung empfehle ich auf jeden Fall ein paar Stunden Einzel- oder Gruppencoaching. Alleine ist es immer schwerer aus seinem Hamsterrad herauszukommen, es braucht für dauerhafte Veränderungen ein paar Tipps, das Hinterfragen der eigenen Glaubenssätze und ganz wichtig das Erstellen neuer Glaubenssätze.
Je nachdem wie weit jemand schon im Burnout ist, eine Heilung ist immer möglich. Je später sie Hilfe annehmen, desto länger dauert auch der Heilungsprozess. Wenn sie in Phase 12 zusammenbrechen und den Namen ihres Kindes nicht mehr wissen, braucht es eine Zeit lang einen stationären Aufenthalt in einer Klinik, wenn sie bei Phase 3 und 4 erkennen, “halt, wohin führt das?”, genügen vielleicht ein paar Coachingstunden und eine Änderung ihrer Lebensgewohnheiten, nämlich wieder mit Betonung auf “Leben” und nicht “Gewohnheiten”. Generell ist jede dauerhafte “Heilung” mit einer kompletten Änderung der inneren Einstellung und der Lebensgewohnheiten verbunden, damit, achtsamer mit sich selbst umzugehen, schneller “nein” zu sagen (und die Erfahrung zu machen “hey, da passiert ja gar nichts, wenn ich einmal “nein” sage, es mögen mich trotzdem noch alle genauso gerne wie vorher!”) und sein Bewusstsein auf die angenehmen Seiten des Lebens zu richten. Führen sie z.B. ein Glückstagebuch, ein leeres Büchlein in das sie jeden Abend schreiben, was heute besonders erfreulich, schön, angenehm, lustig war.
Vielen Dank für das Interview, Frau Strobach!
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